Antibiotika

Antibiotika sind Medikamente zur Behandlung von bakteriellen Infektionen. Häufige Einsatzgebiete sind zum Beispiel Harnwegsinfektionen, Mandelentzündungen und Lungenentzündungen.

Antibiotika helfen nicht gegen Viruserkrankungen, wie die Grippe (Influenza) oder COVID-19. Aber auch die meisten „banalen“ Erkältungskrankheiten sind Viruserkrankungen, bei denen entsprechend Antibiotika nicht zum Einsatz kommen sollten. Tatsächlich wird heutzutage zunehmend auch bei bakteriellen Infektionen je nach Erkrankung und Verlauf immer häufiger auf die Möglichkeit hingewiesen, einen spontanen Verlauf (das heißt ohne Antibiotika einzusetzen) abwarten zu können. 

 

Bei dem weitaus größten Teil bakterieller Infektionen wird im ambulanten Bereich - falls überhaupt eine Antibiotikagabe angezeigt ist - eine sogenannte kalkulierte Therapie angesetzt. Das heißt, dass aufgrund einer Erkrankung das zu erwartende Bakterienspektrum und das dazu passende Antibiotikum „kalkuliert“ werden. Und nicht etwa vorher durch Abstrichuntersuchungen erst nach der Art des Bakteriums gesucht wird. 

Hierfür spielen unter anderem Zeitgründe eine Rolle. Dabei geht es nicht um die „kostbare“ Zeit des Arztes! Es geht um die Zeit bis zum Erhalt eines Ergebnisses von mikrobiologischen Untersuchungen. Denn Bakterien müssen für ihren Nachweis erst mal in sogenannten Kulturen wachsen. 

Noch hartnäckig hält sich (auch unter Ärzten) bezüglich der Dauer einer Antibiotikatherapie die pauschale Empfehlung "bis zum Packungsende". Es gibt aber für die meisten bakteriellen Infektionen im ambulanten Bereich inzwischen ausreichend Evidenz, die eine ausreichende Wirkung mit gleichguten Ergebnissen auch bei kürzeren Therapiedauern zwischen 3-5 Tage belegt. (Studie) Allgemeinhin gilt heute in der Antibiotikatherapie viel mehr: 

"So lange wie nötig, so kurz wie möglich."

Es stehen uns heutzutage eine Vielzahl antibiotisch wirksamer Medikamente zur Verfügung. Für jedes Antibiotikum sind verschiedene Indikationen festgeschrieben, je nachdem, welche Bakterien hauptsächlich die entsprechenden Erkrankungen verursachen.

Wie oben erwähnt, müssen nicht alle bakteriellen Erkrankungen immer sofort antibiotisch behandelt werden. Hierzu zählen zum Beispiel bestimmte Darminfektionen, aber auch leichtere Harnwegsinfekte. Häufig kann durch kluges und bedachtes Abwarten eine unnötige Antibiotikagabe vermieden werden. Ihr Arzt achtet dabei sorgsam auf bestimmte Warnsignale im Krankheitsverlauf.

Bakterien können Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln. Bestimmte Bakteriengruppen reagieren dann nicht oder nicht ausreichend auf Wirkstoffe, die eigentlich in der Vergangenheit eine gute Wirksamkeit zeigten. Durch unsachgemäßen und unkontrollierten Gebrauch von Antibiotika kann diese Entwicklung begünstigt werden. Ist eine Bakteriengruppe auf viele Antibiotika gleichzeitig resistent, spricht man von sogenannten multiresistenten Bakterien. Bekannt in diesem Zusammenhang sind sogenannte „Krankenhauskeime“, wie MRSA, aber auch VRE und ESBL.

Insgesamt bedeutet diese Entwicklung, dass äußerste Sorgfalt bei der Indikationsstellung, aber auch bei der Einsatzdauer von Antibiotika geboten ist.

Auch verkürzt man einen Erkältungsverlauf nicht, wenn Antibiotika zum Einsatz gebracht werden. Allzu häufig noch haben Patienten leider die Sorge, dass gerade ihnen unnötig lange ein Antibiotikum vorenthalten würde.

Es kann sogar dazu kommen, dass sich Ärzte - bei eigentlich nur geringer bis mäßiger Plausibilität für das Vorliegen einer bakteriellen Infektion - durch die Erwartung eines Patienten gedrängt fühlen. In einer sogenannten „klinischen Entscheidung“ wird dann vielleicht ein Antibiotikum verordnet, wo eigentlich noch hätte abgewartet werden können. Ein klassischer abwägender Bereich der Medizin. (Studie)

Wie bei jedem Medikament mit einem Wirkstoff, kann es auch bei Antibiotika zu Nebenwirkungen kommen. Eine typische unerwünschte Wirkung können Magen- und Darmbeschwerden sein, da durch die Antibiotika auch unsere natürliche Bakterien-Flora im Darmtrakt beeinflusst wird. Diese Beschwerden, die auch mal mit Durchfall verbunden sein können, geben sich in aller Regel von alleine. Weitere Nebenwirkungen können allergische Reaktionen der Haut oder allergische Allgemeinreaktionen sein.

 

Den verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika mit einer zielgerichteten Therapie unter Kontrolle von regionalen Expertenteamswird mit dem Begriff "Antibiotic Stewardship" (ABS) umschrieben. Es gibt einige Initiativen, die sich dem Thema ABS widmen. In Deutschland findet sich für den  kinderärztlichen, frauenärztlichen, urologischen, HNO-ärztlichen, sowie hausärztlichen Bereich mit den entsprechenden typischen Behandlungsanlässen hier z. B. die AnTiB als Initiative von niedergelassenen Ärzten und der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld. Derartige Initiativen haben vor allem deshalb eine große Bedeutung, weil sie einen entscheidenden Beitrag zur Förderung von Gesundheitskompetenz leisten.